Nordfriesische Inseln
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Heuler Eddi: Gefunden auf Sylt – und dann?

Das Telefon klingelt. Am anderen Ende ist der Sylter Seehundjäger Thomas Diedrichsen. „Da liegen zwei am Strand Richtung Rantum“, sagt er. Die Rede ist von zwei Heulern. Ich hatte den Seehundjäger gebeten, mich bei einem Heulerfund zu informieren. Für eine Reportage will ich  den Weg eines Heulers vom Fund bis zur Auswilderung begleiten. Wenn es denn zur Auswilderung kommt. Thomas warnt mich vor: „Nicht alle Heuler, die wir finden, schaffen es.“ Es kommt vor, dass die Tiere in einem so schlechten Zustand sind, dass sie noch am Strand von ihrem Leid erlöst werden müssen. Als wir am Strand ankommen, gibt Thomas dahingehend schon mal Entwarnung. „Die sind beide kugelrund und wohlgenährt. Wahrscheinlich wurden sie bis vor etwa zwei Tagen noch gesäugt“, vermutet der Sylter.

Heuler-Heulerfund-Seehundjäger-Sylt und der Norden-Simone Steinhardt

Findel-Heuler „Eddi Sylt“

Ein guter Allgemeinzustand der Tiere ist entscheidend. Nur dann haben die Heuler die Chance, in der Seehundstation in Friedrichskoog aufgepäppelt und fit für die Auswilderung gemacht zu werden. „Man kann nicht jedem Tier helfen. Ziel ist es, so wenig Heuler wie möglich in die Aufzuchtstation zu bringen und auch möglichst keine Antibiotika zu verabreichen“, erklärt Diedrichsen. Das sei so im Trilateralen Wattenmeer-Abkommen geregelt. Die beiden Sylter Heuler haben Glück. Sie haben schon genügend Speck angesetzt, um die Fahrt nach Friedrichskoog zu überstehen. Der männliche Heuler bringt etwa 13 Kilogramm, der weibliche rund 10 Kilogramm auf die Waage. „Das ist wichtig. Die Tiere sind bis sieben Stunden unterwegs, das ist schon Stress“, so Thomas Diedrichsen. Für die beiden Heuler geht es jetzt in einer Kiste per Schiff auf das Festland, Richtung Seehundstation Friedrichskoog.  http://www.seehundstation-friedrichskoog.de

Für Eddi Sylt geht es, sicher verpackt, per Schiff auf das Festland

Patenschaft sichert Aufzucht der Heuler

Für 250 Euro übernehme ich die Patenschaft für den männlichen Heuler – dafür darf ich ihm einen Namen geben, zudem bekommen die Paten im Lauf des Projekts Fotos von „ihrem“ Heuler und werden über die Auswilderung informiert. Eddi Sylt ist trotz seiner Speckschicht ein Sorgenkind. Er hat eine Bisswunde am Kopf und Durchfall. „Das muss man in Friedrichskoog untersuchen“, so Thomas Diedrichsen. Inzwischen sind die Fund-Heuler  gut in Friedrichskoog angekommen. „Die Bisswunde beim männlichen Heuler ist versorgt, der Durchfall auch nicht weiter schlimm. Immerhin hatte er ein paar Tage keine Muttermilch und hat vermutlich Sand gefressen. Insgesamt sieht das gut aus“, so Stationsleiterin Tanja Rosenberger. Eddis erste Mahlzeit: pürierter Hering mit Elektrolyten. Geht alles gut, sollen die Heuler mit einem Gewicht von 25 Kilogramm ausgewildert werden. Doch zunächst müssen Bisswunde und Durchfall auskuriert werden. Wenige Wochen nach seinem Fund besuche ich meinen Patenseehund in Friedrichskoog.

Heuler müssen sich im Aufzuchtbecken behaupten

Eddi Sylt geht es soweit gut. Seine Bisswunde ist verheilt und er frisst sogar schon selbstständig Fisch. „Das ist nicht bei allen Heulern so. Manche brauchen noch Hilfe“, erklärt Stationsleiterin Tanja Rosenberger.

Eddi Sylt hat sich bereits auf knapp 19 Kilogramm gefuttert. Damit ist er zwar nicht der Schwerste im Becken, gehört aber unter den insgesamt 140 Tieren in der Aufzuchtstation zum oberen Drittel. „Wenn sich Eddi Sylt weiter so entwickelt wie er das bisher tut, dann nimmt
er zwei, drei Kilo in der Woche zu. 25 Kilo ist das Minimum. Dann wären wir
in etwa vier Wochen soweit, dass er raus kann. Dazu gehört aber auch, dass eine
kleinere Verletzung an der Flosse abgeheilt ist. Das ist die Voraussetzung,
dass er aus dem kleineren Aufzuchtbecken ins Auswilderungebecken umziehen kann“, erklärt Tanja Rosenberger. Das Auswilderungsbecken ist für Eddi Sylt die letzte Station vor der großen Freiheit. Dort wird der Fisch nicht mehr von Hand serviert, sondern vom Beckenrand aus hineingeworfen. So lernt der junge Seehund vor der Rückkehr ins Wattenmeer, seine Beute gegen 30 weitere, hungrige Tiere verteidigen – wie im richtigen Leben in Freiheit. Es dauert dann aber doch länger als gedacht. Die Entzündung an der Flosse will nicht heilen und es kommt eine neue Infektion hinzu. Zwar hat Eddi Sylt sein benötigtes „Auswilderungsgewicht“ von 25 Kilo längst überschritten. Doch er bekommt noch Antibiotika und darf damit nicht ins Auswilderungsbecken. Als es endlich so weit ist – es ist mittlerweile schon September und Eddi Sylt wiegt fast 40 Kilogramm – kann ich seinen letzten Schritt in die Freiheit dann doch nicht begleiten. Doch ich bekomme immerhin Fotos von der Seehundstation, auf denen ich meinen Patenseehund in die Freiheit schwimmen sehe. Und da sieht man die Tiere letzlich doch am liebsten.


Tschüss, Eddi Sylt!

Und hier noch ein paar Hinweise, wie man sich bei einem Heulerfund verhält:

  • Heuler nicht anfassen,
  • Hunde fernhalten,
  • weiten Abstand einhalten,
  • Seehundjäger, Seehundstation oder Polizei benachrichtigen.

Weitere Informationen, wie ihr die Heuleraufzucht unterstützen könnt findet ihr hier: http://www.seehundstation-friedrichskoog.de

Text & Fotos: @Simone Steinhardt. Nachdruck, auch in Teilen, nur mit Zustimmung der Autorin

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