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Leuchtturmbewohnerin für eine Nacht

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Irgendwann mal in einem Leuchtturm leben – das war schon immer mein Traum. Letztes Jahr habe ich ihn mir erfüllt. Allerdings nur für eine Nacht.  Eine Nacht, die ich mit meinem Mann im Leuchtturm in Dagebüll verbracht habe. Als Leuchtturm kann man den ehemaligen Lotsenturm eigentlich gar nicht mehr bezeichnen. Denn: Seit einigen Jahren ist er ein Minihotel.

Mit einer Größe von nur 18 Quadratmetern dürfte der Turm mit zu den kleinsten Hotels Deutschlands gehören. Eine Rezeption gibt es nicht – die Schlüssel werden von einer externen Hausdame übergeben, die tags drauf auch das Frühstück in einem Picknickkorb vor die Tür stellt. Man ist also ganz für sich, ein echter Leuchtturmbewohner, wenn auch nur für einen Tag. Als erstes laufen wir die 47 Stufen des dreistöckigen Turms nach oben in die Laterne. Was für ein Ausblick!

Ich stehe draußen auf der kleinen Plattform des Dagebüller Leuchtturms in über 15 Metern Höhe, im Bann der Aussicht, die ich hier vor Augen habe. Dabei gehören Meer und Deiche für mich zum Alltag, schließlich lebe ich auf Sylt. Doch die Natur auf diese Weise zu sehen, in dieser Höhe, ringsum keine Häuser, die die Sicht versperren, das ist etwas Einmaliges. Wie kommt man eigentlich an so ein Objekt?

Berliner Architektin erkennt das Potenzial

Seit 1988 lotst der Turm keine Schiffe mehr in den Hafen und stand leer. 2009 dachte die Gemeinde über eine alternative Nutzung nach. Da kamen die Berliner Architektin Heike Wittenbecher und ihr Mann Tim ins Spiel: Sie kauften den Leuchtturm vor sechs Jahren und bauten ihn zum Mini-Hotel um. „Nachdem wir den Turm gekauft haben, gingen zwei Jahre allein für Bauvoranfragen und Genehmigungen drauf. Ohne die Unterstützung der Gemeinde hätten wir das Projekt wohl nicht realisieren können“, erklärt Tim Wittenbecher, der mit seiner Frau auch Turm-Hotels auf Usedom und in Bad Saarow betreibt. Der Leuchtturm liegt im Außendeich – das machte die Sache kompliziert. „Verständlich, der Deich ist schließlich lebenswichtig für den Ort“, so Wittenbecher. Doch den Traum vom Turm wollte das Inhaber-Ehepaar nicht aufgeben: Obwohl das Projekt in Dagebüll „das Härteste war“, wie Tim Wittenbecher schmunzelnd verrät. „Meine Frau hatte diese Idee von einem besonderen Ort, an dem man sich selbst nahe ist, eine Auszeit nehmen kann. Einen Ort für positive Gedanken.“ Nach zwei Jahren intensiven Ringens mit den zuständigen Behörden konnten die Bauarbeiten endlich beginnen.

Jeder Zentimeter wird genutzt

In den Leuchtturm wurde ein Treppenstahl-Geländer mit Trägern eingezogen, auf denen, neben dem Erdgeschoß, zwei weitere Ebenen gebaut werden. Nach einem Jahr Bauzeit ist das Mini-Hotel fertig. Jeder Zentimeter der lediglich rund 18 m² großen Hotelfläche wurde genutzt. Mit großem Gepäck sollte man dennoch nicht reisen: Einen Schrank gibt es nicht, lediglich im Eingangsbereich eine kleine Garderobe und sowie eine Ablage für Kleinkram. Im Erdgeschoß steht ein Whirlpool aus Kambala-Holz, 900 Liter passen rein, erklärt die Hausdame. Hinter dem Whirlpool schließt sich ein kleines Badezimmer an. Im Zwischengeschoss steht ein Bett mit Kuhfellen, zwei kleine Fenster geben den Blick auf den Deich frei.

Ich genieße die Aussicht auf einem kleinen, mit Kuhfell bezogenen Sofa. Es wirkt beruhigend und inspirierend zugleich – hier mal eine ganze Woche verbringen, nur mit sich, gespannt sein, was es mit einem macht, das wäre ein Traum. Doch auch schon die wenigen Stunden, die man im Leuchtturm  verbringt, wirken. Fast automatisch „entgiftet“ man auch medial: Soziale Netzwerke? Gerade total unwichtig. Fernsehen? Wer braucht denn das bei diesem Ausblick? Es ist faszinierend: Obwohl wir hier gar nicht weit von unserer Heimatinsel entfernt sind, fühlen wir uns wie in einer Parallelwelt. Den Leuchtturm verlassen wir nur, um im Dorf zu Abend zu Essen. Dann laufen wir zurück, vorbei am Dagebüller Fähranleger Richtung Leuchtturm.

Dagebüll-Nordfriesland-Fähranleger-Simone Steinhardt-freie Journalistin Sylt-Autorin Sylt

Dagebüll bei Nacht

 

Die Nacht wird dann ein wenig unruhig: Es ist ungewohnt, so nahe am Meer zu schlafen und der Turm hat seine eigenen Geräusche. Vielleicht hält auch die Vorfreude auf die erneute Aussicht in der Laterne am nächsten Morgen wach. Es sieht anders aus: Die Sonne kommt noch nicht richtig durch, die Halligen am Horizont lassen sich durch den Frühnebel nur erahnen. Doch wir genießen das üppige Frühstück aus dem Picknickkorb, den Blick auf das Meer und den Deich und die Ruhe, die wir nach dieser kurzen Auszeit spüren.

Frühstück im Leuchtturm in Dagebüll

Weitere Informationen: http://www.leuchtturm-dagebuell.de

Text & Fotos: @Simone Steinhardt. Nachdruck, auch in Teilen, nur mit Zustimmung der Autorin.

 

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2 Kommentare

  1. Silvi N. sagt

    Wie schön; danke liebe Simone, für alle deine informativen Beiträge! Überhaupt, bin ich froh, zufällig (weiß gar nicht mehr wie) auf deine tolle Seite gestoßen zu sein!

    Glaube, über „mein“ geliebtes Wonnemeyer! Als ich das in der Vergangenheit auf verschiedenen Seiten alles las und nun die Abrissbilder sah, „blutete“ mein Herz!

    Wünsche dir weiterhin viel Freude am Schreiben deiner Blogs und hoffe, ganz bald, ganz viel davon lesen zu können!

    Alles Liebe und Gute, für dich und deine Familie, auf DER Insel! 🙂

    • Simone Steinhardt sagt

      Liebe Silvi,

      ganz herzlichen Dank für deinen Kommentar – es freut mich, dass meine Beiträge ihren Weg zu den Lesern finden, die „Sylt und den Norden“ lieben:-) Da ich den Blog ja neben meinem eigentlichen Beruf schreibe, bleibt nicht immer so viel Zeit, wie mir lieb wäre. Ich habe aber bereits einige neue Beiträge in der Pipeline – es gibt also in Kürze wieder Lesefutter!

      Herzliche Grüße von DER 🙂 Insel
      Simone

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