Küstenschnack
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Sylter Dreilights im Februar

Wattenmeer-Sylt-Fastenwandern-Sylt und der Norden-Simone Steinhardt

Sylt im Winter, das sind berührende und intensive Naturerlebnisse, einsame Strände und Tradition, wie sie nur an der norddeutschen Küste gelebt wird. Hier kommen meine persönlichen Highlights für den Februar. Und damit die Qual der Wahl nicht zu groß wird, bleibe ich bei drei Tipps: Hier sind die „Sylt und der Norden Dreilights“.

Für den Körper: Outdoor-Sport mit Strandkulisse
Bei dem einen oder anderen sind sie vielleicht bereits verpufft: die guten Vorsätze für das neue Jahr. Zumindest dann, wenn man sich „mehr Sport“ vorgenommen hat. Anfangs treibt einen die Motivation ja noch ins Fitness-Studio. Doch schnell siegt die Tristesse: Immer die gleichen Übungen, Gedröhne aus dem Boxen, Kunstlicht und Studioluft. Hinzu kommt, dass man oft sich selbst überlassen ist – trotz saftiger Monatsgebühren. Doch was ist die Alternative, mit der sich der Schweinehund überwinden lässt? Outdoorsport! Trotz Kälte und grauem Winterwetter: Wer draußen sportelt, ist motivierter. Das ist sogar wissenschaftlich bewiesen.

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Beim Sport öfters mal draußen „abhängen“ – das macht frisch und bringt Abwechslung in die Sport-Routine. Bloggerin Simone Steinhardt (links) hat’s persönlich getestet.

Britische Wissenschaftler  um den Forscher Dr. Jo Thompson-Coon fanden heraus, dass Sport in der Natur nicht nur Stress verringert und die Psyche stärkt. Die Forscher belegten auch, dass die Outdoorsportler nach der Aktivität im Freien mehr Freude und Zufriedenheit zeigten – und damit motivierter für wiederholte sportliche Aktivitäten waren. Ich habe das gleich mal selbst getestet. Auf Sylt wird neuerdings ein Bootcamp angeboten. Draußen natürlich. Ja, auch bei Temperaturen dicht am Gefrierpunkt, bei Wind und Regen. Zugegeben: Zuerst war ich skeptisch. Bezüglich der Frage, ob ich meinen Allerwertesten am Sonntag vom Sofa bewegen würde. Nachdem diese Hürde genommen war, hatten meine Mit-Bootcamper und ich viel Spaß. 50 Minuten dauerte das Training mit Traumblick auf den Strand von Westerland.

„Der Körper wird gepusht, weil er ständig andere  Aufgaben bekommt. Dabei kommt der Stoffwechsel ordentlich ins Laufen. Das erhöht den Kalorienverbrauch und den Nachbrenneffekt“, erklärt Annett Kötting von Syltfit, die das Sylter Bootcamp ins Leben gerufen hat. Den kompletten Erfahrungsbericht könnt ihr in meinem Erfahrungsbericht für den NDR nachlesen: Runter vom Sofa, rein ins Sylter Bootcamp.

Diese Art von Sport ist sehr abwechslungsreich. Das Geräusch des Wellenschlags und der Meerblick lenken davon ab, wie kräftezehrend manche Übungen sind. Doch nach den 50 Minuten bin ich wach, frisch und motiviert, weiterzumachen. Mein Fazit:

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Bloogerin Simone Steinhardt (rechts) findet: Daumen hoch für Sport im Freien!

Für das Bootcamp könnt ihr euch hier anmelden: www.syltfit.com

Für Körper und Seele: Fastenwandern auf Sylt

Nach Sylt fahren, auf die Genussinsel schlechthin, um nichts zu essen (und dafür auch noch Geld zu bezahlen…): Klingt komisch, ist aber so. „Im ersten Jahr hatten wir etwa 300 Gäste. Heute sind es über 1.000 jedes Jahr“, freut sich Heike Werner, die mit ihrer Mutter Ulla ein Fastenwanderhaus in Westerland betreibt. Und schließlich haben viele von uns vermutlich im Dezember für den Januar mitgegessen – so fällt der Verzicht auf Krabbenbrötchen und Gummibärchen im Februar leichter. Wenngleich Heike Werner betont: „Fasten ist nicht Hungern. Es ist der freiwillige Verzicht auf Nahrung, um den Körper von Giftstoffen zu befreien und Heilungsprozesse in Gang zu setzen.“ Wer sich mehr auf sich und die Schönheit der Natur besinnen möchte, für den ist das Fastenwandern sicher einen Versuch wert. Zudem „entgiftet“ man auch medial: Im Fastenhaus Werner gibt es keinen Fernseher, kein Radio.

Fastenwandern Sylt-Simone Steinhardt-Sylt und der Norden-Strand Westerland

Viel Bewegung, viel Trinken, keine mediale Ablenkung: Das ist Fastenwandern auf Sylt.

Fastenhaus Werner-Fastenwandern Sylt-Saft-Sylt und der Norden-Simone Steinhardt

Bunte Vielfalt: Beim Fastenwandern gibt es den ganzen Tag über leckere Säfte, dazu viel Wasser und Tee. Abwechslung bieten Obstschnitze und eine klare Gemüsebrühe am Abend.

Für viele Menschen ist das Fastenwandern der Schlüssel zu mehr Energie und zu einer Besinnung auf sich selbst. Schwangere oder Menschen mit schweren Herz- und Nierenerkrankungen sowie Krebserkrankungen, Gicht oder Gallenproblemen dürfen allerdings nicht fasten. Wer unsicher ist, lässt sich ärztlich durchchecken. Weitere Informationen gibt es hier: www.fastenhaus-werner.de

Für die Tradition: Biike-Brennen

Wenn am 21. Februar der Ruf „Tjen di Biiki ön!“(Zündet die Biike an!) ertönt, stehen wieder tausende Einheimische und Gäste um die neun Biike-Feuer auf Sylt. Auch auf den Nachbarinseln Amrum und Föhr, den Halligen und in weiten Teilen des nordfriesischen Festlands lodern an diesem Tag die Feuer. Für die Nordfriesen ist der 21. Februar ein Nationalfest, das Feuer ein bewegendes Ereignis, für das auch auf dem Festland lebende Sylter gerne nach Hause zurückkehren. Die Biike symbolisiert Verbundenheit, Stolz und Heimatliebe.

Biike-Sylt-Nordfriesland-Sylt und der Norden-freie Journalistin Sylt

Am Biikefeuer lebt die Verbundenheit für die Insel „Söl“ auf.

Als Brennmaterial für die Biike dienen vor allem die ausrangierten Weihnachtsbäume. Früher wurde das Holz für die Biiken von der Sylter Dorfjugend gesammelt. Sie bewachte auch die großen Holzstapel, damit sich keiner aus dem Nachbardorf einen Streich erlauben und die Biike vor dem 21. Februar abfackeln konnte. Traditionell führen Fackelzüge zu den Biike-Plätzen. Die Sprecher der Gemeinden halten ihre Ansprache auf Söl’ring, dem Sylter Friesisch, sowie auf Hochdeutsch: Es geht um das Brauchtum, aber auch um die Mißstände auf der Insel. Danach ertönt die Sylter Hymne „Üüs Söl‘ring Lön“ (Unser Sylter Land).

Mythos Biikebrennen

Um das Biikefeuer ranken sich viele Mythen. Geschichtlich erwähnt wurde die Biike erstmalig im Jahr 1566 auf der Insel Strand. Doch das Feuer wurde seinerzeit als  „heidnische Abgötterei, falscher Gottesdienst und des gottlosen Papsttums Überreste” verboten, wie der nordfriesische Heimatforscher Albert Panten in seinem Buch „Das Biikebrennen der Nordfriesen“, schreibt (mit Hubertus Jessel). Seit jeher soll das Biikefeuer die Saat schützen, böse Geister und den Winter vertreiben. Der Sylter Chronist Christian Peter Hansen, besser bekannt als C.P.-Hansen, entwickelte seine eigene Theorie zur Biike: Seinen Aufzeichnungen nach wurden die Walfänger mit den großen Feuern verabschiedet. Auch hatte er die Biike als Opferfeuer für den germanischen Gott Wodan gedeutet. „Geschichtlich ist das zwar nicht belegt, aber C.P.-Hansen hat einen ganz wichtigen Beitrag für das Biikebrennen als Brauchtum geleistet. Er hat den Syltern dieses Fest als identitätsstiftende Tradition zurückgegeben“, sagt die Sylterin Maren Jessen, 1. stellv. Vorsitzende des Sylter Heimatvereins Sölring Foriining.

Biike-Westerland-Fest der Nordfriesen-Sylt und der Norden

Die Ernennung zum „Immateriellen Weltkulturerbe bringt für die Sylter auch Pflichten mit sich.

UNESCO-Kulturerbe: Zwischen Kommerz und Brauchtum
Seit 2014 zählt das Biikebrennen zum „Immateriellen Kulturerbe Deutschland“. Ein wichtiges Zeichen, verbunden mit der Verpflichtung, den ursprünglichen Brauch zu pflegen und zu bewahren, findet die Sylterin Maren Jessen Denn Stände mit Bratwurst und Glühwein an den Biikeplätzen gehören nicht zur Tradition. Doch die Biike ist längst zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor in der sonst ruhigen Jahreszeit für die Insel geworden. Das fordert auch die Syltmarketing GmbH (SMG) heraus: In der Vermarktung des Biike-Festes ist Fingerspitzengefühl gefragt. „Allen ist bewusst, dass die Biike ein Fest der Sylter ist, das man aber auch touristisch nutzen kann. Doch die Einwohner müssen immer noch eine relevante Größe darstellen“, so SMG-Geschäftsführer Moritz Luft. Hilfreich sei es auch, die Gäste zur Biike an die Hand zu nehmen, ihnen die friesischen Liedtexte zu geben und als Hotelier mit ihnen gemeinsam die Biike zu besuchen. Wer eintauchen möchte in die Tradition der Nordfriesen,  hier eine kleine Übersicht, wo die Feuer lodern (Quelle: Sylt-Tourismus.de):

  • List: Treffpunkt & Fackelausgabe: 18 Uhr, Kirche St. Jürgen, Kirchenweg. Fackelumzug zum Biikefeuer. Beginn Biikebrennen: ca. 18.45 Uhr. Standort: Hinter dem Wohngebiet am Königshafen
  •  Kampen & Wenningstedt (Gemeinschaftsbiike):Treffpunkt & Fackelausgabe: 18.15 Uhr, Feuerwehrgerätehaus Kampen. 18.30 Uhr Abmarsch zum Biikefeuer bei der Norddörfer Halle. Anzünden der Biike ca. 19 Uhr. Wenningstedt: Abmarsch zum Biikefeuer 18.15 Uhr ab Restaurant Weißes Kliff, 18.30 Uhr ab Friesenkapelle. Anzünden der Biike ca. 19 Uhr (Norddörfer Halle)
  • Westerland: 18 Uhr, Beginn des Musikumzugs an der St. Nicolai-Kirche in Bahnhofsnähe. Biikebrennen ab ca. 18.30 Uhr am Campingplatz
  • Rantum: 18 Uhr Treffpunkt am Kurhaus & Start des Fackelumzugs. Anzünden der Biike (Nähe Campingplatz) ca. 18.30 Uhr
  • Hörnum: Treffpunkt & Fackelausgabe 17.45 Uhr beim Tourismus Service, Rantumer Str. 20. Biikebrennen ca. 18.15 Uhr
  • Tinnum: 17. 30 Uhr Treffpunkt Gemeindehaus Tinnnum, Fackelumzug mit Musikkapelle zur Biike an der Tinnumburg. Ca. 18 Uhr anzünden der Biike
  • Keitum: Anzünden der Biike: 18 Uhr am Tipkenhoog (Richtung Ruine Keitum-Therme am Wattenmeer)
  • Archsum: 18.15 Uhr Treffpunkt am Deichweg. Anzünden der Biike ca. 18.30 Uhr am Deich im Uaster Reeg
  • Morsum: 18.30 Uhr Treffpunkt auf dem Parkplatz Nösse. Ca. 19 Uhr Biikebrennen am Morsum Kliff

Ich hoffe, ich konnte euch den einen oder anderen hilfreichen Tipp für euren Sylt-Aufenthalt geben und freue mich über Kommentare und Anmerkungen!

Text: @Simone Steinhardt. Fotos: @Simone Steinhardt, Katja von der Heyde-Scharf (beim Tipp „Outdoorsport“). Nachdruck, auch in Teilen, nur mit Zustimmung der Autorin.

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