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Sylter (In)toleranzen: Essen und essen lassen

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Mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten und/oder Allergien ist das so eine Sache: Wer darunter leidet, is(s)t schon gestraft genug. Gibt es dafür auch noch „Schelte“ von Gastronomen, ist allerdings endgültig Schluss mit der Toleranz. So erntete der Betreiber eines Sylter Burgerladens diese Woche einen Shitstorm, weil er sich auf seiner facebook-Seite abfällig über Menschen mit Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten und Allergien geäußert hatte. Etwas mehr Toleranz täte beiden Seiten gut: ein Plädoyer für „Essen und essen lassen“.

Damit ihr wisst, worum es genau geht, hier der Original-Post des Burgerladen-Beitreibers – unkorrigiert in Orthografie und Grammatik, nur, dass da keine Missverständnisse entstehen:

„So mal in eigener sache. Meine lieben menschen mit allergien und irgendeiner intollerans. Wir sind ein imbiss und keine aussenstelle von einer kurklinik. Sesam. Erdnüsse. Gluten. Laktose. Man geht mir das auf die nerven. Da werde ich spontan intollerant. Ich habe auch kein burn out. ich arbeite 12- 14 stunden und bin einfach im arsch. Genauso ohne gurke ohne tomate ohne dies ohne das. Man man man. So jetzt heht es schon besser.“

Wer nicht alles essen kann, ist schon gestraft genug

Nun kann man sich zunächst wunderbar über Art, Form und Orthografie dieses Posts streiten. Doch worum geht es denn eigentlich? Wer tatsächlich an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Allergie leidet – was medizinisch zwei völlig verschiedene paar Schuhe sind – i(s)t zunächst schon mal gestraft genug. Das kenne ich aus eigener Erfahrung. Vor wenigen Jahren wurde bei mir eine Lactose- und Fructose-Intoleranz diagnostiziert. Damit sich der Körper wieder erholt, musste ich für mindestens drei Monate auf Lactose und Fructose verzichten. Klingt einfach, ist aber vor allem beim Thema Fructose eine riesige Herausforderung (und kompletter Verzicht letzlich gar nicht möglich). Denn gemeint ist hier nicht nur der Verzicht auf Fructose, also natürlich vorkommender Zucker in Früchten und Obst, sondern vielmehr der Verzicht auf sämtliche Zuckerarten. Wer das Problem hat und einmal auf der Rückseite der Verpackungen nachgelesen hat, wieviel Zucker unter zig verschiedenen Namen (u.a. Maltodextrose, Sacharose, Magermilchpulver, Glukose, Oligofructose) in unserern Lebensmitteln steckt, weiß genau, wovon ich spreche. In dieser Zeit habe ich auch weitgehend auf Restaurantbesuche verzichtet, um wirklich unter Kontrolle zu haben, was genau auf meinem Teller landet. Mittlerweile hat sich bei mir alles weitgehend so eingependelt, dass ich beides wieder in Maßen essen kann.

Gut verstehen kann ich aber auch jeden, der trotz Allergie und/oder Unverträglichkeiten langfristig gesehen auf den Besuch im Restaurant/Imbiss oder wo auch immer nicht verzichten möchte. Und wenn das so wäre, würden sich einige Gastronome ganz schön verwundert die Augen reiben angesichts der Ebbe im Portemonaie. Es ist nun einmal so, dass der Gast heute nachfragt, welche Inhaltstoffe sich in seinem Essen befinden. Und es wird immer mehr. Mit diesen „Unwegbarkeiten“ muss man in der Gastronomie leben – so wie ich mit den Unwegparkeiten im Journalismus leben muss. Wer das nicht kann oder will, wird es schwer haben.

Andererseits ist es heute aber auch en vogue, etwas „nicht zu vertragen“ und das Thema taugt vielen als Smalltalk auf der Party – zeigt man doch so seine „sensible“ Seite. Das würdigt aber zum einen all jene Menschen herab, die ein echtes Problem haben. Sowas verharmlost man nicht. Zum anderen kann ich in dem Fall auch jeden Gastronomen verstehen, der angesichts der Extrawünsche genervt die Augen verdreht. Und: Verzicht, ohne das man an Unvertäglichkeiten oder Allergien leidet, bringt dem Körper kein gesundheitliches Plus, das nur mal am Rande. Doch es is(s)t, wie es ist: Am Ende entscheidet der zahlende Gast, was auf seinem Teller landet. Ob im Imbiss, Restaurant oder wo auch immer, spielt keine Rolle. Etwas mehr Toleranz und der differenzierte Blick auf ein komplexes Thema täte manchmal beiden Seiten gut. In besagtem „Burgerladen“ gehe ich übrigens weiterhin essen. Manchmal. Weil es einfach lecker ist.

Wir seht ihr das Thema? Schreibt mir, ich bin gespannt auf  eure Meinung.

Text & Foto: @Simone Steinhardt.

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