Hier steckt Sylt drin - echt!, Sylt
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Teil II „Sylter Produkte“: Die Seifensiederin von Sylt

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Wenn ich an „Sylter Produkte“ denke, habe ich einen bestimmten Slogan im charmanten Schweitzerdeutsch im Ohr: „Wer hat’s erfunden..?!“ Übertagen auf Sylter Produkte müsste es eigentlich heißen: „Was ist drin?“ bzw. „Wo ist’s gemacht?!“

Denn nicht überall ist da, wo Sylt drauf steht, auch Sylt drin. Bei manch einer Packung, die ich in den Händen halte, frage ich mich: Was hat das mit Sylt zu tun? Weder wurde das Produkt auf der Insel hergestellt, noch enthält es „Zutaten“ von hier. Doch die vier Buchstaben haben eine besondere Strahlkraft – nicht zuletzt, da Sylt vergangenes Jahr erneut als „Marke des Jahrhunderts“ ausgezeichnet wurde. Nicht schlecht für einen nur gut 99 km² großen Sandknust. So weckt Sylt offensichtlich auch in Sachen Produkt-Vermarktung Begehrlichkeiten. Ich will an dieser Stelle keine Namen nennen und möglichen Mogelpackungen eine Plattform bieten. Vielmehr möchte ich hier „echte“ Sylter Produkte vorstellen. Und nur solche, die ich alle selbst getestet habe bzw. die bei mir regelmäßig in Küche und/oder Bad zum Einsatz kommen oder mit denen ich mich „schmücke“.

In Teil II meiner Serie „Hier steckt Sylt drin – echt!“ geht es um die Seifen der Sylterin Kirsten Deppe. Sie produziert herrlich duftende Seifenstücke in ihrer Manufaktur in Morsum – mit Inhaltstoffen, die die Sylter Natur frei Haus liefert. Ich durfte bei der Produktion zusehen.

Es brodelt, dampft und zischt: Die Sylterin Kirsten Deppe kocht. Doch das Resultat ist nicht essbar – Kirsten Deppe „kocht“ Seifen. Und ich darf zusehen. Ihre Seifenküche ist das Herzstück der kleinen Manufaktur in Morsum direkt am Bahnhof. Auf Hochglanz polierte Töpfe stehen neben Mixern und Schneebesen, dazu kleine Glasgefäße mit verschiedenen Zutaten, die einen verlockenden Duft verströmen: Seit über sieben Jahren stellt Kirsten Deppe hier ihre Sylter Seifen her. Das Besondere: Viele der Zutaten liefert die Natur auf der Insel frei Haus: Blüten der Kartoffel-Rose, besser bekannt als Sylter Heckenrose, Rapsblüten, Sylter Quellwasser, gereinigter Heilschlick aus dem Wattenmeer, Queller. „Seifen haben mich schon immer fasziniert, die duftenden Stücke im Hotel oder die von meiner Oma“, erzählt die gebürtige Sylterin.

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Herrlich duftend und echte Handarbeit mit Sylter Inhaltsstoffen: die Seifen aus der Sylter Seifenmanufaktur in Morsum.

Trotz dieser Faszination: Kirsten Deppes beruflicher Weg geht zunächst in eine andere Richtung. Sie wird Hotelfachfrau und arbeitet für einen Tourismus-Service-Betrieb. Doch irgendwann schreibt sie fast nur noch Tarifverträge. „Ich bin schon immer kreativ gewesen, musste einfach etwas anderes machen. 2007 habe ich mich selbstständig gemacht.“

Über Umwege zum Traumjob

In Kreativkursen vermittelt sie Teilnehmern, wie man filzt und Schmuck herstellt. Doch da ist immer noch die Passion für Seife. Kirsten Deppe liest alles über Herstellung, Rezepturen und Rohstoffe. Sie pflückt Rosenblätter und wagt die ersten Gehversuche in Sachen Seifenherstellung am heimischen Herd. Konzentriert rührt Kirsten Deppe in den Töpfen. So lange, bis sie schließlich stolz die ersten Seifenstücke in den Händen hält. Von da an hat die Faszination „Seifenherstellung“ die Sylterin fest im Griff. Auch der kreative Ehrgeiz wird wach. „Anfangs habe ich nach Rezept gearbeitet. Doch ich wollte meine eigenen Rezepturen.“ Sie tüftelt akribisch: Welche Öle bewirken was? Wie reagieren die Inhaltsstoffe miteinander? Wie ist das optimale Mischungsverhältnis? „Zu Beginn landete vieles in der Mülltonne.“ Doch die Leidenschaft für die handwerkliche, kreative Arbeit, die unbändige Freude über ein gelungenes Stück Seife ist der Motor, der sie antreibt. Bald hat der heimische Herd als Produktionsstätte ausgedient. Im Februar 2010 eröffnet Kirsten Deppe ihre Seifen-Manufaktur.

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Aus diesen Inhaltsstoffen wird innerhalb von 24 Stunden Seife: In diesem Fall die wunderbar duftende „Sylter Heckenrose“.

„Seife ist eine Diva“

Die Sylterin ist Perfektionistin. Bis zu sechs Monaten kann es dauern, bis sie mit einer neuen Rezeptur zufrieden ist. Hinzu kommt: „Seife ist eine Diva. Sie braucht viel Aufmerksamkeit.“ Das wird deutlich, wenn man Kirsten Deppe bei der Arbeit über die Schulter schaut – was sie eigentlich nicht mag und bis dato auch noch nie zugelassen hat. „Ich möchte Nachahmern keine Gebrauchsanleitung geben.“ So bleibt es ihr Geheimnis, welche Inhaltstoffe und Mengen schließlich in das perfekte Endprodukt münden. Doch es wird deutlich, dass die Herstellung volle Konzentration erfordert.

Kirsten Deppe schmilzt flüssige und feste Öle zu einer Masse zusammen. „Der Begriff Seife sieden ist im Grund nicht richtig, den Siedepunkt erreichen wir gar nicht.“ Dann fügt sie mit ruhiger Hand die Inhaltstoffe hinzu. Zu viel oder zu wenig, zu langsam gerührt – schon ist die Seifen hinüber. Geht alles gut, wird die flüssige Masse in eine Form gegossen und für eine Stunde in den 52 Grad warmen Ofen geschoben. Danach ruht die Seife für weitere 24 Stunden, bevor sie schließlich im Laden direkt nebenan verkauft wird.

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Die duftenden Seifenstücke „Sylter Heckenrose“ kurz vor der Verpackung – jedes hat sein ganz individuelles Muster.

Über zehn verschiedene Seifen sind mittlerweile zu haben. Die Kunden wissen die individuellen Seifenstücke zu schätzen. „Sie kaufen ein authentisches Produkt, das mit Sylter Zutaten von einer Sylterin auf Sylt hergestellt wird. Das gefällt ihnen“, ist Kirsten Deppe  überzeugt. So geht sie mittlerweile auch entspannt mit Nachahmern um, die der Erfolg auf den Plan gerufen hat. „Anfangs habe ich mich geärgert. Mittlerweile weiß ich, dass die Kunden das Original zu schätzen wissen.“

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Und so sieht das Original aus: die duftende „Sylter Heckenrose“. Könnt ihr es riechen…?

Hinzu kommt der Trend zu natürlichen Produkten abseits der industriellen Massenproduktion. Das sieht auch der Mainzer Biologe und Dermatologe, Dr. Wolfgang Klee. „Der psychologische Aspekt ist nicht zu unterschätzen. Mit einem natürlichen, handgefertigten Produkt fühlt sich der Patient wohler“, so Klee. Allerdings könnten auch natürliche Inhaltstoffe Allergien auslösen. „Das sagt aber nichts über die Wertigkeit der Produkte aus. Manche Menschen vertragen eben Kamille oder Rapsöl nicht. Wenn dermatologisch nichts dagegen spricht, tendiere ich zum natürlichen Produkt“, sagt der Mediziner abschließend. Trends hin oder her: Kirsten Deppe ist da angekommen, wo sie immer hinwollte. „Ich kann mir nicht vorstellen, etwas anderes zu machen.“ Meine ganz persönlichen Seifenfavoriten sind übrigens „Sylter Thalasso“ und „Sylter Austernseife“ – so mild und gut rückfettend, dass ich sie sogar für’s Gesicht verwende.

Im dritten Teil von „Hier steckt Sylt drin – echt!“ wirds kulinarisch – lasst euch überraschen!

Text & Fotos: @Simone Steinhardt. Veröffentlichung, auch in Teilen, nur mit Zustimmung der Autorin.

Weiterführende Links:

www.sylterseifen.de

Adresse: Bi Miiren 11
25980 Morsum (direkt am Bahnhof)
Öffnungszeiten: 10 bis 18 Uhr
Tel. +49 4651 4609977

 

 

 

 

 

5 Kommentare

  1. Goldgabi sagt

    Moin Simone,
    das glaube ich Dir sofort, dass Dir das Zuschauen sehr gut gefallen hat! Ich benutze schon seit Jahren die Sylter Seifen aus Morsum ( bevorzugt die Sylter Rose, wegen dem unbeschreiblichen Duft) und kann nur bestätigen, dass die Pflege mit diesen Produkten SUPER ist!

    • Simone Steinhardt sagt

      Liebe Gabi,

      vielen Dank für Deine Nachricht! Ja, wenn man zuschauen kann, wie ein Produkt entsteht, was man nachher selbst verwendet ist das Klasse:-) Leider ist meine Austernseife alle, ich muss nachkaufen. Schönes Wochenende! Simone

  2. Roswitha Seim sagt

    Kein Urlaub auf Sylt ohne Besuch der Seifenmanufaktur. Meine Favoriten sind die Sylter Heckenrose und Austenseife. Danke für den tollen Artikel und den Blick hinter die Kulissen.

    • Simone Steinhardt sagt

      Gern geschehen, der Blick hinter die Kulissen – das mit dem Syltbesuch und dem Besuch der Seifenmanufaktur kommt mir bekannt vor!:-) Liebe Grüße Simone

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