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Buchtipp & Autoreninterview: Wer den Sturm sät

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Mit „Wer den Sturm sät“ hat Werner Sonne einen Polit-Thriller mit Sylt-Kolorit vorgelegt, bei dem sich Fiktion und Realität erschreckend annähern.

Werner Sonne war über 40 Jahre Korrespondent der ARD, begleitete US-Präsidenten, Kanzler und Minister rund um den Globus. Stoff, über den man viele Bücher schreiben könnte. Das hat der ehemalige ARD-Korrespondent längst getan: Er ist Autor mehrerer Polit-Thriller und Geschichtsbücher ist.

„Wer den Sturm sät“ beginnt mit einem Leichenfund im Munkmarscher Luxushotel „Fährhaus Sylt“. Eine Unternehmerin aus Süddeutschland wird tot im Pool gefunden. Sie war gesund und topfit – war es Mord? Zuvor vergnügte sich die Dame mit dem zwielichtigen Insel-Playboy Jo Claussen. Hat er etwas mit dem Tod der Unternehmerin zu tun? Die Sylter Kriminalpolizei beginnt zu ermitteln.

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Im „Fährhaus Sylt“ beginnt die spannende Geschichte um den Tod einer süddeutschen Unternehmerin

Doch dann taucht ein Ermittlungsteam des Bundeskriminalamtes auf und es gibt einen zweiten Leichenfund: Ein toter russischer Kampftaucher wird vor Sylt angespült. Den Sylter Ermittlern und der Presse dämmert: Hier spielt sich ein „dickes Ding“ ab! Doch hängen die beiden Leichenfunde zusammen? Schließlich empfängt die Marine einen verschlüsselten Funkspruch auf dem Gebiet der deutschen Hohheitsgewässer. Ein politischer Alptraum internationalen Ausmaßes beginnt: Ein russisches U-Boot hat sich vor der Küste Sylts festgefahren und keiner weiß, warum. Zwischen London, Berlin und Washington glühen die Telefondrähte, ein Nervenkrieg bricht los.

Die Handlung und Figuren in „Wer den Sturm sät“ ist zwar fiktiv. Allerdings nähern sich Fiktion und Realität – ganz aktuell – auf eine erschreckende Weise einander an. Nicht nur, dass die Geschichte sehr eng an der Realität erzählt wird, als in den 1980er Jahren im Ostseeraum damals noch sowjetische U-Boote in die Gewässer westlicher Staaten eindrangen. Das Buch beschreibt auch ausführlich den Zusammenstoß eines russischen Bombers mit einem deutschen Abfangjäger. Im Buch Fiktion – dramatische Realität indes die Meldung vom 21.6. 2017 der Nachrichtenagentur Reuters: Ein Nato-Kampfflugzeug vom Typ F-16 soll die Maschine des russischen Verteidigungsministers Sergei Schoigu im Luftraum über der Ostsee bedrängt haben, russische Jagdflugzeuge drängen die F-16 ab. In einem Flugmanöver zeigen die Russen dem Nato-Piloten ihre Waffen unter den Tragflächen. (Originalmeldung: http://www.reuters.com/article/us-russia-nato-intercept-idUSKBN19C12Y).  Am Montag vor Schweden genau umgekehrt: Eine russische Maschine bedrängt ein schwedisches Aufklärungsflugzeug. Die Schweden protestieren, bestellen den russischen Botschafter ein. Eine diplomatischer Zwischenfall ist da. Dem waren Anfang Juni weitere Vorfälle vorausgegangen (s. Interview unten im Text).

Nicht zuletzt geht es in „Wer der Sturm sät“ auch um den Cyber-Krieg – Fiktion im Buch, beklemmende Realität indes die jüngsten, internationalen Hacker-Angriffe, von denen laut der Wochenzeitung DIE ZEIT 100 Länder betroffen sind. (www.zeit.de/digital/internet/2017-05/cyberangriff-grossbritannien-krankenhaeuser-hackerbritannien-krankenhaeuser-hacker).

Im Rahmen seiner Lesung auf Sylt am 7. Juni habe ich mit dem ehemaligen ARD-Korrespondenten über den brisanten Inhalt seines Buches gesprochen: Werner Sonne über Reaktionen  aus dem Kanzleramt und was sein Laufhobby mit dem Buch zu tun hat.

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Simone Steinhardt (SiS) im Gespräch mit dem Autor Werner Sonne

SiS: Ihr Buch ist brisanter politischer Stoff.  Sei es in Bezug auf das angespannte Ost-West-Verhältnis oder auch, was den Cyber-Krieg angeht. Am 6. Juni hat Peter Altmaier Ihr Buch im Kanzleramt vorgestellt: Wie waren die Reaktionen?

„Vor allem hat sich eines herausgestellt: Wer geglaubt hat, das Szenario sei doch etwas übertrieben, muss sich nur die Ereignisse der letzten Tage anschauen. Da hat es mehrere schwere Zwischenfälle über der Ostsee gegeben: Amerikanische und russische Militärflugzeuge auf atemberaubendem Kollisionskurs – bis auf anderthalb Meter flog ein russischer Kampfjet an ein US-Aufklärungsflugzeug in der Nähe von Kaliningrad heran. Wenige Tage zuvor fingen russische Jets einen schweren B-52-Bomber ab, der parallel zur russischen Grenze flog. Die B-52 ist seit Jahrzehnten das Symbol schlechthin für die nukleare Abschreckung der USA. Jetzt sollte er nach amerikanischen Angaben in Verbindung mit Nato-Manöver in den baltischen Staaten zu unterstützen. Die wechselseitigen Drohgebärden nehmen auf gefährliche Weise zu.  „Wer den Sturm“ sät“  beschreibt dieses Szenario im Detail, und immer mehr zeigt sich: Das ist nicht übertrieben. Ganz im Gegenteil: Die Wirklichkeit nähert sich beinahe täglich an die Fiktion an – leider. “

SiS: Hat es darüber hinaus Reaktionen aus politischen Kreisen gegeben? Sie haben das politische  Weltgeschehen ja 40 Jahre begleitet.

„Bei der Berliner Buchvorstellung mit Minister Altmaier und anderen Top-Experten für das angespannte Ost-West-Verhältnis waren auch zwei Vertreter der russischen Botschaft dabei. Sie haben sich dann bitter beklagt, dass kein Russe auf dem Podium saß. Aber als sie dann die Chance gehabt hätten, in der Fragerunde das Wort zu ergreifen, haben sie geschwiegen. Schade.“

SiS: Wie schätzen Sie das ganze Thema „globale Vernetzung“ ein, überwiegen die Vorteile oder machen wir uns dadurch nur angreifbarer? Zu dem Thema haben Sie Anfang Januar ja die „Berliner Sicherheitsgespräche“ moderiert.

„Natürlich geht es nicht ohne diese globale Vernetzung. Sie bringt auch die Menschen immer mehr zueinander – weltweit, und in unserem täglichen Umfeld. Aber genauso selbstverständlich wachsen auch die Gefahren. Auch wenn noch kein einziger Schuss gefallen ist, so sind wir doch längst im Cyber-Krieg drin. Angriffe auf das demokratische System in den USA, der erfolgreiche Versuch, sich in die US-Wahlen einzumischen, umfassende Cyber-Angriffe auf den Bundestag, auf Staaten im Baltikum, wo ganze Teil der Infrastruktur lahmgelegt wurden, selbst ein Angriff auf die Deutsche Bahn, von der auch die Strecke nach Sylt betroffen war, sind ja keine Fiktion, sondern Realität. Und in „Wer den Sturm sät“ ist das ja ein Teil der Eskalation, die zur einer gefährlichen internationalen Krise führt.“

SiS: In Ihrer Geschichte erfährt die Bevölkerung am Ende nicht, was wirklich passiert ist, das U-Boot vor Sylt hat es nie gegeben – Ist das jetzt große Diplomatie oder große Vertuschung der Regierungen?

„Das Buch führt ja hinter die Kulissen der Weltpolitik. Dabei ist es das Mantra der deutschen Regierungspolitik, zu Recht, Krisen nach Möglichkeit mit den Mitteln der Diplomatie zu lösen, allerdings auch, wo nötig,  aus einer Position der Stärke und nicht im Alleingang, sondern mit den Verbündeten. Im Ukraine-Konflikt, der ja im Hintergrund von „Wer den Sturm sät“ eine Rolle spielt, zeigt Deutschland mit dem Minsk-Prozess, dass es diese Verantwortung wahrnimmt. Klingt jetzt alles sehr nach großer Politik, ist auch so, trotzdem ist mein Buch eben doch ein Politthriller, der auch unterhalten soll, und er  fängt auf Sylt als Lokalkrimi an. Krimileser kommen auf ihre Kosten – versprochen.“

SiS: Im Nachwort des Buches beschreiben Sie eine Welt, die „ungewiss, so aufgewühlt und bedrohlich ist wie seit Ende des Kalten Krieges nicht mehr“ – warum sollte der Erholung suchende Syltfan Ihren Thriller trotzdem lesen?

„Weil man auch auf Sylt nicht in einer heilen Welt lebt, in der man sich einfach aus dem großen Weltgeschehen ausblenden und so tun kann, als ginge einen das alle nichts an. Man kann seine Fähigkeit zum Nachdenken nicht mal eben auf dem Hindenburgdamm abgeben.“

SiS: Apropos Sylt. Wie kam Sie auf die Idee, Ihren Polit-Thriller auf Sylt beginnen zu lassen – eine alte Verbundenheit?

„Die Verbundenheit kommt eher durch meine Frau, die schon seit ihrer Kindheit Syltliebhaberin ist. Wir waren mit Freunden auf Sylt und die Idee kam beim Joggen.Ich bin Langstreckenläufer, das macht den Kopf frei und dann springen einen manche Projekte quasi an. Der Hoteldirektor hat uns außerdem freundlicherweise durch das Fährhaus geführt. Nach der Rückkehr nach Berlin bin ich gegen 5 Uhr aufgestanden, habe ein 20-seitiges Konzept verfasst und dann stand die Geschichte. Dass es wieder einmal ein Polit-Thriller geworden ist, ist nicht so überraschend. Ich habe bereits mehrere geschrieben.“

SiS: Bei Ihren Recherchen haben Sie die Insel ja näher kennengelernt – haben Sie einen Lieblingsort oder einen Tipp, was sich Sylt-Urlauber auf jeden Fall ansehen sollten?

„Ja, die Gegend rund um den Ellenbogen im Norden der Insel, unberührter als die anderen Strände und auch ein Schauplatz in „Wer den Sturm sät“.

SiS: Haben Sie eine Lieblingslaufstrecke?

„Die schönen Wege an den Stränden entlang“.

SiS: Würden Sie bitte den Satz „Wer den Sturm sät…?“ vollenden?

„Wer den Sturm sät, darf sich nicht wundern, wenn das auch Konsequenzen hat, die zu gefährlichen Eskalationen führen und außer  Kontrolle geraten können.“

Vielen Dank für das Gespräch an Werner Sonne!

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Simone Steinhardt und Werner Sonne in der Bibliothek des Fährhaus Sylt anlässlich einer Lesung

Fazit: „Wer den Sturm sät“ öffnet den Vorhang für einen Blick hinter die Kulissen der Weltpolitik. Faszinierend und erschreckend zugleich. So hochkomplex die globalen Zusammenhänge sind: Als Journalist versteht es Werner Sonne, die Zusammenhänge in einer verständlichen Sprache darzustellen und verknüpft die einzelnen Handlungsstränge auf spannende Art und Weise. Das macht das Buch aus meiner Sicht, trotz des gewichtigen Inhalts, durchaus – auch – zu einer kurzweiligen Strandlektüre. Wenngleich ich es als abendlichen Lesestoff bevorzugt habe, der mich immerhin zwei schlaflose Nächte gekostet hat. Und der Inhalt wirkt nach, regt an: Zum nach-denken im wahrsten Sinne. Umso mehr aufgrund der aktuellen Geschehnisse.

Text, Interview und Fotos: @Simone Steinhardt. Veröffentlichung, auch in Teilen, nur mit Zustimmung der Autorin.

Wer den Sturm sät

Verlag: Edition M (ET: Ende Mai 2017)
Taschenbuch, 268 Seiten: 9,99€ / Kindle: 4,99€
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 1542045959
ISBN-13: 978-1542045957

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