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Kinotipp: Pierre Richard in „Monsieur Pierre geht Online“

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Der „Große Blonde mit dem schwarzen Schuh“ ist zurück auf der Kinoleinwand: Pierre Richard, Grande Seigneur des französischen Films, granteld sich ebenso unterhaltsam wie unverwechselbar durch die Beziehungs-Kömodie „Monsieur Pierre geht Online“. Gedreht wurde im letzten Jahr auch auf Sylt – dort ist der Film jetzt im Kino zu sehen. Ich war bei den Dreharbeiten dabei und habe mit Pierre Richard geplaudert: über seine Rolle als Griesgram und was der berühmte Franzose von der Insel Sylt hält.

Hätte mir jemand als Kind oder junge Erwachsene erzählt, dass ich eines Tages Pierre Richard gegenüber sitzen würde, hätte ich das für einen äußerst unterhaltsamen Scherz gehalten. Im Juni vergangenen Jahres saß ich im Hotel Miramar in Westerland, wo Szenen in der Bar und im Restaurant gedreht wurden. Und da stand er dann, 81 Jahre alt, das Haar längst weiß, aber immer noch widerspenstig. Surreal, die Begegnung. So groß, wie ich mir „le grand blond“  immer vorgestellt hatte, ist Pierre Richard tatsächlich gar nicht, körperlich. Auf der Leinwand jedoch zählt er unbestritten zu den Größten unter den französischen Schauspielern. Und auch mit inzwischen 82 Jahren besticht Richard durch seine starke Präsenz, vor allem, wenn er lacht. Dann blitzt der jugendliche Schalk in den blauen Augen auf, ganz wie früher.

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Der „Große Blonde mit dem schwarzen Schuh“ drehte letzten Juni auf Sylt.

Ich hatte mich für das Hamburger Abendblatt angekündigt, um für das Kultur-Ressort die Dreharbeiten zu „#Flora63“ zu beobachten – so der damalige Arbeitstitel der französisch-belgisch-deutschen Produktion. Pierre Richard spielt eine der Hauptrollen, Regie führte Stéphane Robelin, der Richard bereits in seinem letzten Kinofilm „Und wenn wir alle zusammenziehen?“ (2011) inszenierte. „Monsieur Pierre geht Online“ erzählt von Pierre (Pierre Richard), einem griesgrämigen, alten Mann, der seine Frau verloren und mit dem Leben abgeschlossen hat. Er geht nicht mehr vor die Tür und züchtet Schimmelpilze im Kühlschrank. Alex (Yaniss Lespert), erfolgloser Autor und neuer Freund seiner Enkelin Juliette, wird von Pierres Tochter Sylvie angeheuert. Er soll Pierre in die Geheimnisse des Netzes einweihen. Sylvie will den Griesgram ins Leben zurück holen und Alex ermöglichen,etwas Geld zu verdienen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten zwischen den ungleichen Männern findet Pierre Gefallen am Internet und verfällt den  Verführungen der Anonymität. Er bietet Alex Geld, um an seiner Stelle ein Rendezvous mit einer „Flora63“ (Fanny Valette) wahrzunehmen. Alex verliebt sich in die schöne Unbekannte, was das Männerduett in schräge Verwicklungen stürzt.

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Pierre Richard mit Filmcrew vor dem Hotel Miramar in Westerland auf Sylt.

„Ich würde gerne noch länger auf Sylt bleiben“

Für den deutschen Ko-Produzenten Fabian Gasmia ist Pierre Richard die Idealbesetzung. „Er ist für mich eine Comedy-Legende. Dass er zu unserem  Film Ja gesagt hat ist eine große Ehre“, so Gasmia. Doch was veranlasste den lebenslustigen Pierre Richard, Ja zur Rolle des griesgrämigen alten Mannes zu sagen? „Die Rolle ist gar nicht so traurig.  Anfangs schon, da spiele ich einen fiesen Manipulator. Doch es entwickelt sich zum Positiven“, so Pierre Richard. Sylt kannte der  82-jährige vor den Dreharbeiten nicht. „Ich bin überrascht von der Schönheit der Insel. Gestern war ich drei Stunden am Strand“, schwärmte Richard. Er bedauerte, dass lediglich einer der 35 Drehtage auf Sylt stattfand. „Ich würde gerne ein paar Tage länger bleiben. Das würde dem Produzenten aber nicht gefallen“, sagte Pierre Richard verschmitzt lächelnd. Ob er noch von einer Rolle träumt, die er unbedingt noch spielen möchte?  „Nein. Ich habe keinen Plan und freue mich über alles, was noch kommt.“

Der Drehort Sylt kristallisierte sich im Rahmen der Ko-Produktion mit Deutschland heraus. „Eigentlich wollten wir in der Normandie drehen. Doch dann brachte die Filmförderung Hamburg/Schleswig-Holstein Sylt ins Spiel. Das Miramar überzeugte mit seiner Einrichtung im Jugendstil und der Bar; die gefiel unserem Regisseur besonders“, lacht Fabian Gasmia.

Szenenwechsel, Juni 2016: „Silence s’il vous plaît! Silence please, we gonna shoot!“ In der Bar wird eine Szene mit Richards Partnerin Macha Méril gedreht. Sie wird am Ende Richards Herzdame werden. „Ich liebe es, mit Pierre zu arbeiten. Das haben wir jetzt zum ersten Mal geschafft, obwohl wir gute Freunde sind“, erzählt Macha Méril. Die damals 76-jährige ist ebenfalls eine Erscheinung: energiegeladen, elegant, lebensbejahend. Die Chemie zwischen ihr und ihrem Filmpartner stimmt: Die beiden lachen, gestikulieren, sitzen in der Drehpause zusammen – wenn Richard nicht gerade auf seinem Smartphone tippt. Ganz im Gegensatz zu seinem Filmcharakter hat der 81-jährige mit der neuen Technik kein Problem. „Zumindest nicht mit dem Smartphone. Doch mit dem Computer stehe ich auf Kriegsfuß.“

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Immer das Smartphone zur Hand – Pierre Richard vergangenes Jahr auf Sylt.

Die verglasten Flügeltüren zur Bar sind während des Drehs geschlossen. Die Wärme der zahlreichen Scheinwerfer treibt der Crew die Schweißperlen auf das Gesicht. In jeder Pause werden die Gesichter der Schauspieler nachgepudert, Richards Haarsträhnen aus dem Gesicht gezupft und sein Bart gekämmt. Der damals 81-jährige erträgt das alles gelassen. Nur einmal wird er unwirsch: als die Kamera mitten in der Szene ausfällt. Normalerweise legt der Franzose keine Allüren an den Tag, sagt sein Produzent. „Er ist die Vaterfigur von uns allen, sehr bedacht auf ein gutes Klima im Team. Er kennt sogar die Vornamen der Praktikanten.“ So hat sein Produzent am Ende auch eine Überraschung für Pierre Richard: Einen Gutschein für einen Sylt-Aufenthalt. Ob „le grand blond“ den inzwischen eingelöst hat, bleibt ein Geheimnis.

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Wenn ihr also dieses Wochenende noch nichts vorhabt – und „Kampen Jazz by Till Brönner“ ist dann ja auch vorbei – dann geht doch mal ins Kino und lasst euch von Pierre Richard verzaubern. Ich wünsche euch viel Spaß!

Adresse: Kinowelt Westerland, Strandstr. 9, 25980 Westerland.

Text & Fotos: Simone Steinhardt. Veröffentlichung, auch in Teilen, nur mit Zustimmung der Autorin.

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