Natur, Sylt

Surf Club Sylt: Leben für die Welle

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Wind, Wolken, Wellen –  die Sylter Surfer leben mit und für die die Naturgewalten. Seit 2008 sind sie im Surf Club Sylt e.V. organisiert. Ich habe mich mit dem 1. Vorsitzenden des Clubs, Markus Mager, auf einen Schnack am Strand getroffen: Markus über Surfen als Lebensart, die ehrenamtliche Arbeit des Clubs sowie das Großprojekt Clubhaus.

Markus Mager ist ein bisschen unruhig. Kein Wunder: Der auflandige Wind lässt gerade feine Wellen den Strand rollen. Immer mehr Surfer schnappen sich ihre Boards und stürzen sich in die Brandung. Auch Markus kann es kaum abwarten. So ist das, wenn man „stoked“ ist, wie es in der Surfersprache heißt: unheilbar mit dem Surfvirus infiziert. Markus Mager lebt seit 35 Jahren nach den Naturgewalten und reist den Wellen hinterher. „Das spontane Leben ist das Salz in der Suppe beim Surfen. Das Leben nach Wellen, Wind und Wolken“, erklärt der 48-Jährige die Faszination des Wassersports, der für einen echten Surfer viel mehr ist als nur ein Sport. Es ist eine Lebensart, eine Haltung. Wer einmal Blut geleckt hat, den zieht der Tanz auf den Wellen für immer in seinen Bann. „Dazu gehören auch das Reisen und die Offenheit anderen gegenüber. Auf dem Wasser allein mit den Naturgewalten sein und trotzdem auf die anderen achten, das ist Surfen“, erzählt Markus mit glänzenden Augen. Um diese Faszination weiterzutragen, gründete er vor neun den Verein „Surf Club Sylt e.V.“ (SCS). Neben Markus Mager gehören Melf Lange, Andre Möller, Florian Gränert, Angelo Schmitt, „Millo“ und Oliver Fuchs zu den Gründern.

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„Präsi“ Markus Mager (Mitte) mit Jens Krause (links) und Justin Peters. Foto: @Simone Steinhardt

Die Geburtsstunde der Surfszene in Deutschland aber liegt viel weiter zurück. Ihren Ursprung hat sie – ja, auf Sylt! Es war der ehemalige Rettungsschwimmer Uwe Drath, der in den 1950er Jahren sein rund 40 Kilogramm schweres Rettungsbrett kurzerhand zum Surfboard umfunktionierte. „Das war dermaßen glatt, und wenn wir da runterfielen, mussten wir erst mal ewig hinterher schwimmen“, erzählte mir Uwe Drath mal vor etlichen Jahren. „Ohne ihn würde es das alles heute so nicht geben“, sagt Markus Mager voller Respekt für den inzwischen fast 90-jährigen Surfpionier.

Unglaublich, wie elegant der Sylter Surfer Uwe Drath damals die Welle auf der sperrigen Rettungsplanke ritt! Foto: @Uwe Drath Privat

Der Sylter Surfer Uwe Behrens gründete schließlich im Jahr 1966 den ersten Surfclub. Zu seiner Clique gehörten auch sein Bruder Dieter Behrens, Falk Eitner, Jens Körner und Gaston Surtmann. Die Anfänge des Surfens auf Sylt und das einzigartige Leben der Männer dokumentiert der Film „Väter des Wellenreitens“ auf beeindruckende Weise. Hier geht’s zum Trailer des Films: https://www.youtube.com/watch?v=w3dvW81IQz4 . 

„Das Surfen ist immer populärer geworden. Vor allem gibt es zunehmend Kids, die sich für den Sport begeistern. Wir wollen unsere Leidenschaft für das Surfen weitergeben und die Tradition der Pioniere fortführen“, erklärt Markus Mager. Ehrensache, dass die früheren Haudegen der Sylter Surfszene Ehrenmitglieder im SCS sind. Schließlich geht es den Gründern auch darum, Alt und Jung zusammenzubringen, den Club als Begegnungsstätte zu begreifen. „Das passiert fast automatisch, weil die Jungen einfach Bock auf uns Alte haben. Sowas gibt’s auch nur beim Surfen“, lacht Markus.

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Die Väter des Wellenreitens in Westerland auf Sylt – Rocking Sixties! Foto: @Surfclub Sylt/Uwe Behrens

Jugendarbeit, Umweltbewusstsein und Events

Im Rahmen der ehrenamtlichen Vereinsarbeit liegen Markus Mager vor allem die Nachwuchssurfer am Herzen. „Den Kids die Liebe zum Surfen und die Sozialkultur weiterzugeben, die ich selbst als Jugendlicher erfahren durfte, das ist toll“, schwärmt der Sylter und strahlt. Die Nachwuchsarbeit greift: Der Club hat derzeit fast 50 jugendliche Mitglieder, hinzu kommen inklusive Ehrenmitglieder 166 Erwachsene.

Sören Menke: einer der jungen Wilden im Surf Club Sylt. Foto: @Simone Steinhardt

Wer Mitglied werden will, muss Surfen können und auf Sylt leben bzw. hier seinen Lebensmittelpunkt haben. Inzwischen sei Mager zufolge auch eine gute Symbiose mit dem Tourismus entstanden: Beim „Kids Surf Day“ z.B. können sich auch Gästekinder in den Wellen ausprobieren. Umweltbewusstsein steht ebenfalls hoch im Kurs im SCS. So sammeln die Mitglieder beim „Beach-Clean-Up“, einer weltweiten Initiative,  jedes Jahr Müll an den Sylter Stränden ein und unterstützen einheimische Naturschutzinitiativen. Kommerzielle Surf-Events sind ebenfalls Thema. „Da verstehen wir uns als Ansprechpartner dahingehend, einheimische Interessen zu wahren“, sagt Markus. Auch der faire Umgang miteinander ist Thema im SCS – die so genannten Surf-Rules sind auf der Web-Präsenz des Vereins nachzulesen. Vergangenen September engagierte sich der Verein in der Integration: Mit finanzieller Unterstützung der Andreas-Peter-Jensen-Stiftung surften auf Sylt lebende Flüchtlingskinder gemeinsam mit den Kids des Surf Clubs. „Das war emotional. Die Kids hatten Tränen in den Augen, so glücklich waren sie.“

Integration á la Surf Club Sylt: auf dem Board! Foto: @Surfclub Sylt

Großprojekt: Das Clubhaus

Seit einigen Jahren fordert vor allem ein Projekt viel Einsatz von allen Beteiligten: der Bau des Clubhauses direkt am Brandenburger Strand. Nach einer relativ langen Planungs- und Entwicklungsphase und in Zusammenarbeit mit dem Insel Sylt Tourismus-Service (ISTS), der das Grundstück zehn Jahre pachtfrei zur Verfügung stellt, wurde Anfang 2014 die Baugenehmigung erteilt. Ein Mammut-Projekt für einen gemeinnützigen Verein. Ohne den Einsatz der Sylter Bevölkerung und Unternehmer wäre das nicht zu stemmen, sagt Markus Mager. „Wir haben bislang 270.000 Euro an Bargeld, Arbeitsleistung und Sachspenden erhalten. Es steckt auch viel Eigenleistung hier drin. Rund 60.000 bis 80.000 Euro bräuchten wir noch, um die Sache rund zu machen“, so der 1. Vorsitzende.

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Die Begegnungsstätte der Sylter Surfer am Strand von Westerland: im September soll eröffnet werden. Foto: @Simone Steinhardt

Stolz zeigt Markus, was bisher entstanden ist am Strand: Ein Holzhaus mit Bullaugen und großer Fensterfront zum Strand hin, separate Duschen für die Jungs und Mädels und das Herzstück des Clubhauses, der Gemeinschaftsraum. „Hier kommt eine Lounge hin mit Filmecke, da drüben eine Pantryküche und der Getränkeautomat.“ Die Kids, freut sich Markus, könnten jetzt endlich nach dem Surf im Winter warm duschen und sich im Trockenen umziehen. „Und sie können ihr Material trocken lagern, kuck‘ mal hier!“ Glücklich öffnet Markus Mager die Tür zum Lagerraum, in dem die Boards ordentlich auf Halterungen verstaut sind und Neoprenanzüge hängen. Spätestens zum Windsurf-Worldcup Ende September soll das Clubhaus eröffnet werden. Viel Arbeit ist es noch bis dahin, „wer uns unterstützen möchte, wir freuen uns über jede helfende Hand und jede Spende“, sagt Markus Mager. Sein Telefon klingelt. „Das ist mein Sohn. Der will wissen, ob ich noch auf’s Wasser gehe“, grinst Markus. Dann verabschiedet er sich – die Wellen rufen zum Tanz.

Surf Club Sylt e.V.
Bismarckstr. 20
25980 Sylt / Westerland
Email: info@surfclubsylt.de

Der Surf Club Sylt freut sich über weitere Spenden für den Bau des Clubhauses! Wenn ihr spenden möchtet oder euch einfach weiter über den Club informieren möchtet, dann hier entlang bitte:

http://www.surfclubsylt.de  Auf der Seite findet ihr auch ein Spendenformular.

Den Film „Väter des Wellenreitens“ bekommt ihr hier: www.kiosque.de