Küstenschnack, Natur, Sylt
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Sylter Seesterne – Überlebenskünstler in der Nordsee

Seesterne sind für viele DAS maritime Symbol an der Küste. Auf Sylt sehe ich normalerweise selten Seesterne. Heute morgen am Strand lag aber wieder eine ganze Truppe, schon zum zweiten Mal kurz hintereinander. Was es damit auf sich hat – ich habe nachgefragt.

Seesterne Sylt-Strand Sylt-Simone Steinhardt-Sylt Journalistin

Seesterne am Hörnumer Strand heute morgen.

Heute Morgen auf meiner obligatorischen Strandrunde habe ich sie entdeckt: die Seesterne. Wie ich fand, waren es ziemlich viele auf einem Haufen. Drumherum die Möwen, die sich über den reich gedeckten Tisch freuten. „Das Seesternsterben geht weiter“, schrieb mir kürzlich ein Sternekoch aus Buxtehude, als ich ein Foto eines ähnlichen Funds vor wenigen Wochen veröffentlicht hatte. Das habe ich zum Anlass genommen, mal nachzufragen – zuerst bei Dennis Scharper, Leiter der Schutzstation Wattenmeer in Hörnum: Ist es normal, dass man plötzlich so viele Seesterne am Strand sichtet und woher kommen die Tiere plötzlich in dieser Anzahl? „Es gibt verschiedene Erklärungen – eine ist die Strömung, die das Meer aufwühlt und die Seesterne an die Küste spült“, erklärt der Insulaner. Eine weitere Möglichkeit: „Die Seesterne werden manchmal als Beifang der Miesmuschelfischer in größeren Mengen wieder ausgespült. Durch den Gezeitenstrom tauchen sie dann an anderer Stelle wieder auf“, sagt Dennis.

Seesterne Sylt-Simone Steinhardt-Syltjournalist

Ein Seestern auf Sylt – so oft findet man diese Tiere nicht auf der Insel.

Solche Naturphänomene zu erklären ist schwierig, vor allem per „Ferndiagnose“ – sagt auch Birgit Hussel vom Alfred-Wegener-Institut Sylt (AWI) für Polar- und Meeresforschung. „Bei starkem Ostwind findet man immer mal wieder Seesterne, die angespült werden und vertrocknen, weil sie zu lange im Sand liegen“, so die Technische Assistentin. Oder: Die Muschelbänke, an denen sich Seesterne mit ihren Saugnäpfen festsetzen, sind versandet. „Dann funktioniert der Saugmechanismus nicht mehr und sie fallen ab“, sagt Birgit Hussel. Seesterne ernähren sich von Miesmuscheln – und die werden bekanntlich vor Hörnum gezüchtet. Allerdings müssen die Seesterne am Strand nicht zwingend schon verendet sein. Birgit Hussels Tipp: „Keine Angst vorm Anfassen! Einfach mal den Seestern anschubsen und schauen, ob er sich bewegt. Und dann zurück ins Wasser werfen.“ Selbst wenn die Möwen schon an den Meeresbewohnern geknabbert haben und einer seiner fünf Arme fehlt, kann er immer noch am Leben sein. „Der Arm eines Seesterns kann sogar wieder nachwachsen“, erklärt Birgit Hussel. Sei genügend Zellmaterial vorhanden, könne sogar ein kompletter Seestern nachwachsen, so die AWI-Mitarbeiterin. Der Seestern als Überlebenskünstler – wieder was gelernt!

Seesterne Sylt-Simone Steinhardt-Syltreporterin

Wenn ihr einen Seestern seht – einfach mal anfassen und checken, ob er sich bewegt. Und dann ab dafür ins Meer!

Auf Sölring heißt Seestern übrigens „Seestiar“!

Wusstet ihr übrigens, dass Seestern auf Sölring – der Sprache der Sylt-Friesen – „Seestiar“ heißt? Und dass der Seestern seinen Magen nach außen stülpt, um seine Nahrung zu verdauen? Das könnt ihr sehen, wenn ihr auf der Unterseite des Seesterns eine Blase entdeckt. Hat mir auch die nette Mitarbeiterin des AWI verraten. Nicht vergessen – beim nächsten Strandspaziergang einfach mal checken, ob noch Leben in den Fünffüßlern steckt. So werdet ihr vielleicht ganz nebenbei noch zum Seesternretter! Diesen Beitrag dürft ihr natürlich gerne teilen.

Weiterführende Links:

Alfred-Wegener-Institut Sylt
https://www.awi.de/ueber-uns/standorte/sylt.html

Schutzstation Wattenmeer Hörnum
https://www.schutzstation-wattenmeer.de/unsere-stationen/hoernum-sylt/

Text & Fotos: @Simone Steinhardt. Veröffentlichung, auch in Teilen, nur mit Zustimmung der Autorin.

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